Prolongation
Inhaltsverzeichnis
Kurz erklärt
Die Prolongation ist die Verlängerung Ihres bestehenden Darlehens bei derselben Bank zu
einem neuen Zinssatz und einer neuen Zinsbindung. Diese Form der Anschlussfinanzierung ist die bequemste: keine neue Bonitätsprüfung, keine Grundschuldabtretung, keine
Notarkosten. Genau deshalb ist das Prolongationsangebot selten das günstigste. Rechnen Sie
es immer gegen ein Fremdangebot.
Was eine Prolongation ist
Läuft die Zinsbindung Ihrer Baufinanzierung aus, meldet sich Ihre Hausbank in der Regel etwa drei Monate vorher mit einem Prolongationsangebot. Darin schlägt sie Ihnen vor, das
bestehende Darlehen zu neuen Konditionen fortzuführen: neuer Zinssatz, neue Zinsbindung,
alles andere bleibt.
Der Vertrag wird bei einer Prolongation also nicht neu geschlossen, sondern verlängert. Die eingetragene
Grundschuld bleibt unverändert bei derselben Bank, es wechselt kein Gläubiger, und es
entstehen keine Nebenkosten. Sie unterschreiben, schicken das Papier zurück, fertig.
Weil sich durch den neuen Zinssatz die Rate ändert, verschiebt sich meist auch die
Restlaufzeit. Bei den aktuellen Zinsen bedeutet das für viele: Die Rate steigt, oder die Laufzeit wird länger. Was auf Sie zukommt, zeigt der
Ratenschock-Rechner.
Marktniveau, an dem Sie Ihr Prolongationsangebot messen sollten Stand August 2026
- 3,55 %5 Jahre Zinsbindung
- 3,70 %10 Jahre Zinsbindung
- 3,95 %15 Jahre Zinsbindung
- 4,15 %20 Jahre Zinsbindung
Effektive Bestkonditionen am Markt, gerundet. Ihr persönlicher Zinssatz hängt von Beleihungsauslauf, Bonität und Objekt ab.
Vorteile und Nachteile der Prolongation
Dafür spricht
- Keine erneute Bonitätsprüfung, kein Papierkram, keine Unterlagen
- Die Grundschuld bleibt eingetragen, es fallen keine Notarkosten an
- Sie sind in wenigen Tagen fertig, oft mit einer einzigen Unterschrift
- Für Selbstständige, Ältere oder nach einem Einkommensverlust oft der
einzige gangbare Weg
Dagegen spricht
- Der angebotene Zinssatz liegt regelmäßig über dem Marktniveau
- Die Bank hat keinen Anreiz, Ihnen von sich aus günstigere Konditionen zu
machen - Sie verhandeln aus einer schwachen Position, wenn Sie kein Vergleichsangebot
haben - Nebenbedingungen wie Sondertilgung oder Tilgungssatzwechsel werden selten
verbessert
Warum das Prolongationsangebot meist zu teuer ist
Die Rechnung der Bank ist einfach. Eine Umschuldung kostet Sie Zeit, Papierkram und rund 200 bis 500 Euro für die Grundschuldabtretung. Solange der Zinsunterschied kleiner ist als
dieser Aufwand, bleiben die meisten Kunden. Also kalkuliert die Bank ihr
Prolongationsangebot genau in diesem Bereich.
In der Praxis liegen Prolongationsangebote häufig 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte über den
Konditionen, die am Markt zu haben wären. Was das bedeutet:
| Zinssatz | Monatliche Rate | Zinskosten in 10 Jahren | Mehrkosten |
|---|---|---|---|
| 3,70 % (Markt) | 1.005 € | rund 55.100 € | Referenz |
| 4,00 % | 1.050 € | rund 59.700 € | rund 4.600 € |
| 4,30 % (typisches Angebot) | 1.095 € | rund 64.400 € | rund 9.300 € |
9.300 Euro für den Verzicht auf einen Nachmittag Papierkram. Das ist der Preis der Bequemlichkeit, und er steht in keinem Prolongationsangebot. Je höher die Restschuld, desto größer wird dieser Betrag.
Prolongation gegen Fremdangebot rechnen
Die Frage ist nie „Prolongation oder Umschuldung“, sondern immer: Wie groß ist der Unterschied in Euro? Diese Entscheidung lässt sich schnell treffen. Ab etwa 0,2 Prozentpunkten trägt sich ein Wechsel bei üblicher
Restschuld bereits.
Ihr Prolongationsangebot prüfen
Liegt Ihr Prolongationsangebot über dem Marktniveau? Vier Zahlen genügen.
€
%
Jahre
%
–
Abweichung vom Marktniveau
- Marktniveau
- –
- Rate nach Ihrem Angebot
- –
- Rate zum Marktzins
- –
- Mehrkosten über die Zinsbindung
- –
Der Referenzzins ist ein Bestwert am Markt. Ihr persönliches Angebot kann davon
abweichen, etwa bei hohem Beleihungsauslauf oder schwächerer Bonität.
Prolongation und Umschuldung im direkten Vergleich
Beide sind Formen der Anschlussfinanzierung, und beide führen zum selben Ergebnis: Die
Restschuld Ihrer Baufinanzierung läuft weiter. Der Unterschied liegt darin, wer sie
finanziert und was das kostet.
| Merkmal | Prolongation | Umschuldung |
|---|---|---|
| Kreditgeber | bisherige Bank | neue Bank |
| Bonitätsprüfung | entfällt | vollständig neu |
| Grundschuld | bleibt eingetragen | wird abgetreten |
| Nebenkosten | keine | 200 bis 500 Euro |
| Aufwand für Sie | eine Unterschrift | Antrag und Notartermin |
| Zinssatz | meist über Marktniveau | meist Marktniveau |
| Dauer | wenige Tage | vier bis sechs Wochen |
Die Umschuldung gewinnt fast immer beim Zinssatz, die Prolongation fast immer beim
Aufwand. Welche Form der Anschlussfinanzierung für Sie die richtige ist, entscheidet also
die Höhe des Unterschieds, nicht das Prinzip. Alle Möglichkeiten stehen unter
Umschuldung ausführlich beschrieben.
Was Sie vor der Entscheidung wissen sollten
Drei Zahlen brauchen Sie, bevor Sie das Angebot Ihrer Hausbank überhaupt bewerten
können:
- Ihre Restschuld zum Stichtag. Sie steht in der
Restschuldbescheinigung. Eine gute Näherung liefert vorab der
Restschuld-Rechner. - Das aktuelle Marktniveau. Ohne diesen Bezugswert ist jeder
angebotene Zinssatz eine Zahl ohne Bedeutung. - Ihre persönliche Belastungsgrenze. Wenn die neue Rate knapp wird,
zählt Sicherheit mehr als der letzte Zehntelprozentpunkt. Dann kann eine längere
Zinsbindung wichtiger sein als ein möglichst niedriger Zinssatz.
Wer diese drei Zahlen kennt, entscheidet in wenigen Minuten und muss sich nicht auf
das Gefühl verlassen, dass ein Angebot „schon in Ordnung“ aussieht.
Wann die Prolongation trotzdem die richtige Wahl ist
Es gibt Fälle, in denen die Verlängerung bei der bisherigen Bank auch dann sinnvoll
ist, wenn sie ein paar Zehntelprozentpunkte kostet:
- Ihre Bonität hat sich verschlechtert. Nach einem
Einkommensverlust, in Elternzeit oder kurz vor der Rente prüft eine neue Bank streng.
Die Prolongation kommt ohne neue Prüfung aus. - Sie sind selbstständig. Neue Kreditgeber verlangen dann meist zwei
bis drei Jahresabschlüsse. Ihre bisherige Bank kennt Sie bereits. - Die Restschuld ist klein. Unter etwa 50.000 Euro vergeben viele Anbieter keine neuen Kredite mehr. Dann bleibt oft nur die Prolongation.
- Die Immobilie ist schwer bewertbar. Bei einem Haus in dünn
besiedelter Lage kann eine neue Bewertung schlechter ausfallen als die alte.
So verhandeln Sie das Prolongationsangebot
-
Sechs Monate vorher Angebote einholen
Warten Sie nicht auf den Brief Ihrer Bank. Wer bereits ein Angebot anderer Anbieter in der Hand hat, wenn das Prolongationsangebot kommt, verhandelt aus einer anderen Position.
-
Nach effektivem Jahreszins vergleichen
Nur dieser Wert enthält alle Nebenkosten. Ein niedriger Sollzins mit
Kontoführungsgebühr kann teurer sein als ein höherer ohne. -
Nachbessern lassen und Frist setzen
Nennen Sie das Fremdangebot konkret mit Zinssatz und Anbieter und setzen Sie
zwei bis drei Wochen Frist. Sachlich, ohne Drohgebärde. -
Nebenbedingungen mitverhandeln
Fünf Prozent Sondertilgung pro Jahr und zwei bis drei Tilgungssatzwechsel sind
marktüblich. Selbst wenn der Zinssatz nicht sinkt, ist das bares Geld wert.
Die Alternativen zur Prolongation
Am Ende der Zinsbindung stehen Ihnen drei Formen der Anschlussfinanzierung offen. Die
Umschuldung zu einer neuen Bank bringt meist die günstigeren
Konditionen, kostet aber Notargebühren für die Grundschuldabtretung. Das
Forward-Darlehen sichert Ihnen den heutigen Zinssatz schon Jahre im
Voraus, gegen einen Aufschlag. Alle drei im direkten Vergleich stehen unter
Anschlussfinanzierung.
Häufige Fragen zur Prolongation
Wann kommt das Prolongationsangebot?
In der Regel drei Monate vor Ablauf der Zinsbindung, manche Banken melden sich auch schon
sechs Monate vorher. Kommt gar kein Angebot, fragen Sie aktiv nach. Ohne neue Vereinbarung
läuft das Darlehen zu einem variablen Zinssatz weiter, der fast immer teurer ist.
Kann ich das Prolongationsangebot verhandeln?
Ja, und Sie sollten es tun. Der genannte Zinssatz ist kein Festpreis. Mit einem
schriftlichen Fremdangebot in der Hand bessern viele Banken nach, weil ein bestehender
Kunde für sie günstiger ist als die Neugewinnung.
Was kostet eine Prolongation?
Nichts. Es fallen keine Bearbeitungsgebühren, keine Notarkosten und keine
Grundbuchgebühren an, weil kein Gläubigerwechsel stattfindet. Die Kosten stecken
ausschließlich im Zinssatz.
Muss ich das Angebot meiner Bank annehmen?
Nein. Sie können es ablehnen und zu einer anderen Bank wechseln. Kündigen Sie dafür zum
Ende der Zinsbindung nach § 489 Abs. 1 Nr. 1 BGB mit einem Monat Frist. Eine
Vorfälligkeitsentschädigung fällt dabei nicht an.
Prolongation oder Umschuldung: was ist günstiger?
Fast immer die Umschuldung, weil die neue Bank um Sie werben muss. Rechnen Sie den
Zinsunterschied über die gesamte Zinsbindung und ziehen Sie 200 bis 500 Euro
Wechselkosten ab. Ab etwa 0,2 Prozentpunkten Unterschied lohnt sich der Wechsel.
Rechtliche Grundlagen
- § 489 Abs. 1 Nr. 1 BGB: Kündigung zum Ende der Sollzinsbindung
- § 6a Preisangabenverordnung: Angabe des effektiven Jahreszinses
Zinsangaben sind Beispielwerte, Stand August 2026.