Sollzinsbindung
Inhaltsverzeichnis
Kurz erklärt
Die Sollzinsbindung legt fest, wie lange der vereinbarte Sollzins Ihrer Baufinanzierung unverändert bleibt. Üblich sind fünf bis 30 Jahren, am häufigsten zehn oder 15 Jahre. Eine kurze
Sollzinsbindung bringt einen niedrigeren Zinssatz, eine lange mehr Sicherheit und eine
kleinere Restschuld. Weil Darlehensnehmer nach zehn Jahren ohnehin kündigen dürfen, ist
eine Sollzinsbindung über zehn Jahre selten ein Fehler.
Was die Sollzinsbindung regelt
Mit der Sollzinsbindung vereinbaren Sie und die Bank, dass der Sollzins über eine bestimmte Zahl von Jahren unverändert gilt. Diese Zinsbindung ist im Kreditvertrag festgeschrieben. In dieser Zeit ändert sich Ihre monatliche Rate nicht,
unabhängig davon, was am Kapitalmarkt passiert. Die Zinsbindung ist damit die wichtigste Entscheidung zur Sicherheit Ihrer Baufinanzierung.
Sie ist nicht zu verwechseln mit der Laufzeit des Darlehens. Die Laufzeit reicht bis
zur vollständigen Rückzahlung und dauert bei üblicher Tilgung 25 bis 35 Jahre. Die
Sollzinsbindung ist meist deutlich kürzer. Läuft sie aus, bleibt eine Restschuld, für die
Sie eine Anschlussfinanzierung brauchen.
Kurze oder lange Sollzinsbindung?
Banken lassen sich Planungssicherheit bezahlen. Je länger die vereinbarte Zinsbindung, desto höher der Zinssatz. Der Aufschlag liegt je nach Marktlage bei 0,2 bis 0,3 Prozentpunkten pro
Fünfjahresschritt:
| Sollzinsbindung | Zinssatz | Monatliche Rate | Restschuld am Ende |
|---|---|---|---|
| 5 Jahre | 3,55 % | 1.156 € | 214.000 € |
| 10 Jahre | 3,80 % | 1.208 € | 189.000 € |
| 15 Jahre | 4,05 % | 1.260 € | 158.000 € |
| 20 Jahre | 4,25 % | 1.302 € | 121.000 € |
Der Zielkonflikt ist damit klar umrissen. Eine kurze Zinsbindung kostet heute weniger und hinterlässt morgen mehr Schulden. Eine lange Zinsbindung kostet mehr und verkleinert das Risiko, das Sie in die Zukunft verschieben. Welche Möglichkeiten für Sie infrage kommen, hängt vor allem von Ihrer finanziellen Belastbarkeit ab.
Wofür eine kurze Sollzinsbindung spricht
Eine kurze Zinsbindung über fünf Jahre ist sinnvoll, wenn Sie mit sinkenden Bauzinsen rechnen oder ohnehin planen,
die Immobilie bald zu verkaufen. Auch wer eine größere Erbschaft oder eine auslaufende
Lebensversicherung erwartet, kann mit einer kurzen Sollzinsbindung gut fahren: Die hohe
Restschuld lässt sich dann in einem Zug ablösen.
Wofür eine lange Sollzinsbindung spricht
Eine lange Zinsbindung über 15 oder 20 Jahre passt zu Darlehensnehmern, die knapp kalkulieren und sich eine
höhere Rate nach dem Ende der Bindung nicht leisten könnten. Der Aufschlag ist dann keine
Rendite-, sondern eine Versicherungsfrage. Auch wer erst spät gekauft hat und die
Finanzierung bis zur Rente abbezahlen will, profitiert von der langen Bindung.
Die Sollzinsbindung passend zum Zinsniveau wählen
Eine bewährte Faustregel für die Wahl lautet: Bei niedrigem Zinsniveau lange binden, bei hohem Zinsniveau kurz. Der Gedanke dahinter ist einfach. Wer ein günstiges Niveau erwischt, will es lange
behalten. Wer zu einem hohen Zinssatz abschließen muss, möchte früher umschulden können.
Das aktuelle Niveau von rund 3,7 Prozent für zehn Jahre liegt weder besonders hoch noch
besonders niedrig. Nach dem Höchststand von 4,32 Prozent im Oktober 2023 und dem
historischen Tief von 0,67 Prozent im September 2021 bewegt sich der Markt seit 2024
zwischen drei und vier Prozent. In dieser Lage ist eine Sollzinsbindung von zehn bis 15 Jahren für die meisten Kreditnehmer ein tragfähiger Kompromiss. Wichtig ist, die Entscheidung bewusst zu treffen und nicht dem Standardvorschlag der Bank zu folgen.
Für zehn Jahre Sollzinsbindung
- Der Standard am Markt, dadurch die größte Auswahl an Banken
- Zinsaufschlag gegenüber fünf Jahren fällt moderat aus
- Sonderkündigungsrecht greift direkt zum Ende der Bindung
- Passt zu den meisten Lebens- und Finanzierungsplänen
Für 15 Jahre Sollzinsbindung
- Restschuld am Ende rund 31.000 Euro niedriger
- Fünf zusätzliche Jahre Planungssicherheit für 52 Euro im Monat
- Kündigungsrecht nach zehn Jahren bleibt trotzdem bestehen
- Sinnvoll, wenn eine höhere Rate später nicht tragbar wäre
Sollzinsbindung und Tilgung zusammen betrachten
Beide Größen bestimmen gemeinsam, wie viel Restschuld übrig bleibt. Eine kurze
Sollzinsbindung mit hoher Tilgung kann sicherer sein als eine lange Bindung mit niedriger
Tilgung. Wer drei statt zwei Prozent tilgt, senkt die Restschuld nach zehn Jahren von
189.000 auf rund 160.000 Euro, also ähnlich stark wie fünf zusätzliche Jahre Bindung.
Der Unterschied liegt in den Kosten. Ein Prozentpunkt mehr Tilgung kostet 208 Euro im
Monat, fünf Jahre mehr Sollzinsbindung nur 52 Euro. Dafür ist das Geld bei der Tilgung
nicht weg, sondern steckt in der Immobilie. Wie Sie die passende Höhe finden, steht unter
Tilgungsrate.
Rate und Restschuld für Ihre Sollzinsbindung berechnen
Wie schnell Sie schuldenfrei sind: und was die Tilgungshöhe daran ändert.
€
%
%
Jahre
–
Monatliche Rate aus Zins und Tilgung
- Restschuld am Ende der Zinsbindung
- –
- Gezahlte Zinsen in der Zinsbindung
- –
- Getilgt in der Zinsbindung
- –
- Vollständig schuldenfrei nach
- –
Annuitätendarlehen mit gleichbleibender Rate, ohne Sondertilgung.
Nach der Zinsbindung gilt der hier angenommene Zins weiter.
Die Entscheidung bei steigenden Bauzinsen
Rechnen Sie mit steigenden Bauzinsen, verschiebt sich die Abwägung deutlich. Eine lange
Zinsbindung schützt Sie dann über viele Jahre vor Konditionen, die Sie sich später
vielleicht nicht mehr leisten könnten. Eine kurze Zinsbindung setzt Sie dem Risiko aus,
den Immobilienkredit in einigen Jahren zu deutlich schlechteren Konditionen fortführen zu
müssen.
Kreditnehmer, die 2015 oder 2021 zu Sollzinsen unter zwei Prozent abgeschlossen haben,
erleben diesen Effekt gerade. Ihre alte Zinsbindung läuft aus, und der neue Sollzins liegt
bei rund 3,7 Prozent. Die monatliche Rate steigt dadurch oft um mehrere hundert Euro.
Genau davor schützt eine lange Zinsbindung.
Wer diesen Schutz auch für die Zeit nach dem Ende der laufenden Bindung möchte, kann
ihn mit einem Forward-Darlehen für die Anschlussfinanzierung schon Jahre im Voraus festschreiben. Der
Zinssatz steht dann fest, bevor die neue Zinsbindung überhaupt beginnt.
Wie Banken den Zinssatz festlegen
Der Sollzins eines Immobilienkredits hängt nicht allein von der Länge der
Sollzinsbindung ab. Diese Faktoren beeinflussen die Konditionen zusätzlich:
- Beleihungsauslauf. Das Verhältnis von Darlehen zu Immobilienwert.
Unter 60 Prozent bekommen Sie die besten Bauzinsen, über 80 Prozent steigt der
Zinssatz spürbar. - Bonität. Einkommen, Beschäftigungsverhältnis und Schufa-Auskunft
fließen in die Entscheidung der Bank ein. - Objekt und Lage. Eine vermietete Wohnung in strukturschwacher
Region wird anders bewertet als ein selbstgenutztes Haus in einer Großstadt. - Tilgung. Eine höhere anfängliche Tilgung senkt bei manchen Banken
den Zinssatz leicht, weil das Darlehen schneller schrumpft.
Vergleichen Sie deshalb nie nur den beworbenen Bestzins. Entscheidend ist, welche
Konditionen Sie mit Ihren Zahlen tatsächlich erhalten, und zwar gemessen am effektiven
Jahreszins.
Nachteile, die oft übersehen werden
- Verkauf während der Zinsbindung. Wollen Sie die Immobilie vor Ablauf der Sollzinsbindung verkaufen, verlangt die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung. Eine Kündigung ohne wichtigen Grund ist während der Bindung nicht möglich.
Bei einer langen Bindung fällt sie höher aus. - Keine Teilnahme an sinkenden Zinsen. Fallen die Zinsen deutlich,
sitzen Sie bis zum Sonderkündigungsrecht fest. - Kleinere Auswahl bei ungewöhnlichen Laufzeiten. 25 oder 30 Jahren
bieten längst nicht alle Banken an, und der Aufschlag steigt überproportional.
Häufige Fragen zur Sollzinsbindung
Wie lange sollte die Sollzinsbindung sein?
Für die meisten Darlehensnehmer sind zehn bis 15 Jahre der sinnvolle Bereich. Kürzer lohnt
sich vor allem bei geplantem Verkauf oder erwarteter Ablösung. Länger passt, wenn eine
höhere monatliche Rate nach dem Ende der Bindung nicht tragbar wäre.
Was kostet eine längere Sollzinsbindung?
Je Fünfjahresschritt rechnen Sie mit 0,2 bis 0,3 Prozentpunkten Aufschlag. Bei 250.000
Euro Darlehen sind das rund 50 Euro mehr im Monat pro Schritt. Im Gegenzug sinkt die
Restschuld am Ende deutlich.
Kann ich die Sollzinsbindung nachträglich ändern?
Nein. Sie ist Teil des Kreditvertrags und gilt wie vereinbart. Ändern lässt sich die Zinsbindung erst mit der Anschlussfinanzierung nach Ablauf der Frist. Wer flexibel bleiben möchte, sollte
stattdessen auf Sondertilgungsrechte und die Möglichkeit zum Tilgungssatzwechsel achten.
Was ist der Unterschied zwischen Sollzinsbindung und Laufzeit?
Die Sollzinsbindung ist der Zeitraum mit festem Zinssatz, die Laufzeit der Zeitraum bis
zur vollständigen Rückzahlung. Bei einer Baufinanzierung ist die Laufzeit fast immer
deutlich länger. Genau diese Lücke schließt die Anschlussfinanzierung.
Rechtliche Grundlagen
- § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB: Kündigung zehn Jahre nach Vollauszahlung
- § 490 Abs. 2 BGB: Vorfälligkeitsentschädigung bei vorzeitiger Ablösung
- § 6a Preisangabenverordnung: Angabe des effektiven Jahreszinses
Zinsangaben sind Beispielwerte, Stand August 2026.