Tilgungssatzwechsel
Inhaltsverzeichnis
Kurz erklärt
Ein Tilgungssatzwechsel erlaubt Ihnen, die Höhe der Tilgungsrate während der Laufzeit Ihrer Baufinanzierung zu ändern. Die meisten Banken gestatten zwei bis drei Wechsel während der Zinsbindung,
kostenlos. Voraussetzung ist eine entsprechende Klausel im Kreditvertrag. Nachträglich
lässt sich das Recht nicht mehr vereinbaren.
Was ein Tilgungssatzwechsel bewirkt
Bei einer Baufinanzierung legen Sie zu Beginn einen Tilgungssatz fest, meist zwei bis
drei Prozent. Daraus und aus dem Zinssatz ergibt sich Ihre monatliche Rate. Ein
Tilgungssatzwechsel ändert diesen Satz und damit die Rate, ohne dass der Zinssatz oder
die Zinsbindung berührt werden.
Für Kreditnehmer ist das ein wirksames Ventil. Ändert sich Ihre finanzielle Lage, passen Sie die Belastung an, statt den Vertrag anfassen zu müssen. Diese Option ist in einer Baufinanzierung über 30 Jahre mehr wert, als sie beim Abschluss aussieht.
| Tilgungssatz | Monatliche Rate | Schuldenfrei nach |
|---|---|---|
| 1,5 % | 1.104 € | rund 32 Jahren |
| 2,0 % | 1.208 € | rund 27 Jahren |
| 3,0 % | 1.417 € | rund 21 Jahren |
Wann Kreditnehmer die Tilgung ändern
- Tilgungsrate senken: nach Jobverlust, in Elternzeit, bei Krankheit oder wenn ein Einkommen wegfällt. Die Rate wird sofort niedriger, dafür steigt die Restschuld am Ende der Zinsbindung.
- Tilgungsrate erhöhen: nach einer Gehaltserhöhung, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder ein anderer Kredit ausläuft. Die Rate steigt, dafür sind Sie schneller schuldenfrei.
Die Änderung wirkt dauerhaft. Wer nur einmalig Geld übrig hat, ist mit einer Sondertilgung besser bedient. Und wer die Rate wegen eines auslaufenden Zinssatzes anpassen muss, sollte zuerst prüfen, ob ein Forward-Darlehen den Zinssprung verhindert.
Was der Tilgungssatzwechsel wert ist
Der Wert dieses Rechts zeigt sich erst, wenn man ihn braucht. Ohne Tilgungssatzwechsel
bleiben Kreditnehmern bei einer angespannten Lage nur unangenehme Wege: eine Stundung
beantragen, die die Bank gewähren kann oder auch nicht, oder das Darlehen ganz ablösen.
Beides ist teurer und aufwendiger als ein formloses Schreiben.
Umgekehrt ist es genauso sinnvoll. Wer nach einigen Jahren mehr verdient, kann den Tilgungssatz dauerhaft anheben und spart über die Laufzeit fünfstellige Beträge an Zinsen. Bei 250.000
Euro Darlehen bringt der Sprung von zwei auf drei Prozent Tilgung rund 38.000 Euro
weniger Zinskosten, und die Baufinanzierung endet sechs Jahre früher.
Manche Banken verlangen für dieses Recht einen Zinsaufschlag von 0,05 Prozentpunkten
oder etwas mehr. Bei 250.000 Euro sind das rund zehn Euro im Monat. Ob sich das lohnt,
hängt davon ab, wie wahrscheinlich eine Änderung Ihrer Lage in den nächsten zehn Jahren
ist. Bei jungen Familien ist sie es fast immer.
So läuft der Wechsel ab
Formlos. Ein gesetzliches Recht auf einen Tilgungssatzwechsel gibt es nicht, er ergibt
sich allein aus dem Darlehensvertrag. Steht dort nichts, entscheidet die Bank nach
eigenem Ermessen. Ein kurzes Schreiben an die Bank mit Darlehensnummer, gewünschtem neuen
Tilgungssatz und Wunschtermin genügt meist. Viele Banken bieten das inzwischen im
Online-Banking an. Beachten Sie zwei Punkte:
- Häufig ist ein Vorlauf von vier bis sechs Wochen nötig.
- Der neue Tilgungssatz bewegt sich meist in einem vertraglich festgelegten Rahmen,
oft zwischen einem und fünf Prozent.
Wie sich Ihre monatliche Rate und die Laufzeit ändern würden, rechnet der
Tilgungsrechner in wenigen Sekunden aus. Probieren Sie
verschiedene Tilgungssätze durch, bevor Sie sich festlegen.
Lehnt die Bank ab und Ihr Darlehen läuft bereits mehr als zehn Jahre, bleibt Ihnen das
Sonderkündigungsrecht nach § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB: Sie können mit sechs Monaten Frist kündigen und die Restschuld zu neuen Bedingungen
finanzieren, ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Das ist der große Hebel, wenn sich ein
Institut querstellt.
Ein Hinweis zum Zeitpunkt: Der beste Moment für eine Erhöhung des Tilgungssatzes sind
die ersten Jahre der Zinsbindung. Dort ist die Restschuld noch hoch, und jeder zusätzlich
getilgte Euro spart über die volle Restlaufzeit Zinsen. In den letzten Jahren vor Ablauf
bringt derselbe Schritt deutlich weniger.
Häufige Fragen
Wie oft ist ein Tilgungssatzwechsel möglich?
Marktüblich sind zwei bis drei Wechsel während der Zinsbindung. Einzelne Banken erlauben
jährliche Änderungen, andere gar keine. Das steht im Kreditvertrag.
Kostet ein Tilgungssatzwechsel etwas?
In der Regel nichts, wenn er vertraglich vereinbart ist. Manche Institute berechnen eine
Bearbeitungsgebühr oder einen Zinsaufschlag für das Recht an sich. Fragen Sie vor
Vertragsabschluss danach.
Was ist der Unterschied zur Sondertilgung?
Der Tilgungssatzwechsel ändert die Höhe der laufenden Rate dauerhaft. Eine Sondertilgung
ist eine einmalige Zusatzzahlung, die Rate bleibt gleich. Beide Rechte lassen sich
kombinieren und sollten in jedem Vertrag stehen.